<Neues Buch?> Foto
U.Bucher <In Arbeit ... >
Buchveröffentlichungen:
- <Der Fluss und sein Wasserpuzzle - Mehr als eine Reise> (edition fischer, 2006) Belletristik / ISBN 9783830109288
Kurzbeschreibung: Zwei Menschen, zwei Flüge, zwei Ziele. Über den Wolken Richtung Süden muss Luna nur Schwein in Soße samt Dosengemüse verdauen, doch schon nach der Landung hat sie an einem echten Rätsel zu kauen, das sie dem Geheimnis des Lebens ein Stück näher bringt. Auch auf Luis, der Richtung Norden (England) fliegt, wartet so manche Antwort. Doch er ahnt nicht, dass eine davon Lunas letztes Puzzleteil ist. Wie soll er auch? Schließlich sind sich die beiden noch nie begegnet.
- <Eiserner Turm - Von Ost nach West> (edition fischer, 2005)Jugendbuch / ISBN 9783830107668
Kurzbeschreibung: Eine gemeinsame Zigarette, ein paar Bier, die Schule schwänzen - so beginnt die Bekanntschaft eines Teenagers mit Jugendlichen der rechtsradikalen Szene. Dreieinhalb Jahre lang bewegt er sich im braunen Sumpf, bis ihm nichts anderes übrig bleibt, als in eine andere Stadt zu fliehen. Auf der Suche nach sich selbst und nach einer neuen Zukunft erzählt er einer jungen Frau seine Geschichte.
Ulrike Bucher schreibt in <Der Fluss und sein Wasserpuzzle> über reale Schauplätze. Fotos dazu (die Aufnahmen wurden von Ulrike Bucher gemacht) mit passenden Buchauszügen finden Sie im Fotoalbum:
Leseprobe (Der Fluss und sein Wasserpuzzle - Mehr als eine Reise)
... Madalena und Luna saßen in einer kleinen, gemütlichen Flamencobar in der Pasaje Chinitas, einer verwikelten Gasse direkt im Zentrum, und warteten darauf, dass ein Sänger die fröhlich schnatternden Barbesucher zum Schweigen brachte. Um Lunas Ohren flogen nur andalusische Wortfetzen und sie grinste, denn sie hatte den Dialekt der Südspanier sehr gern. Die Andalusier dehnen ihre Wörter manchmal wie ein eingegangenes T-Shirt, das man aus der Waschmaschine zieht, winden es aus, sodass das <s> am Wortende auf den Boden tropft und dort unten bei den Füßen einfach liegen bleibt; nicht mehr in den Mund genommen wird. So entsteht ein Lied, frei von zischenden s-Lauten, das angenehm die Ohren umspielt; eine Melodie, die mal laut, mal leise, mal aufbrausend, mal beruhigend auf dem Rücken des Winds übers Land beziehungsweise durch die Bar fegt. Dabei warteten alle noch immer auf den Sänger. <Weißt du, dass ich in Brasilien Zeichenunterricht nehme?> Diese Frage traf Luna wie aus heiterem Himmel, obwohl sie mittlerweile gelernt haben dürfte, dass Madalena eine sehr unberechenbare Gesprächspartnerin war. <No, wusste ich nicht!>, entgegnete Luna, um irgendetwas zu sagen. <Doch, doch. Und in meinen Klassen habe ich eine Menge über Licht und Schatten gelernt>, fuhr Madalena fort. <Ein Lebewesen oder irgendein Gegenstand wird erst dann sichtbar, wenn er oder es vom Licht berührt wird. Ist dir das schon mal aufgefallen?> Sie stellte die Frage mehr an sich selbst als an Luna. <Deswegen bin ich nach Andalusien gekommen; ich will sichtbar werden, mich vom Licht der Menschen berühren lassen und irgendwann einen Schatten werfen, der die dummen Kommentare und Bemerkungen, die ich in Brasilien gehört habe, in Dunkelheit taucht und früher oder später aus meinem Gedächtnis schwemmt.> Ein trauriger Schatten lag auf ihrem sonst so heiteren Gesicht, und Luna hakte nach: <Was für Kommentare?> .... Ulrike Bucher |
Leseprobe (Eiserner Turm- Von Ost nach West):
... Wo wir gewöhnlich unsere Zigaretten zogen und nicht so recht wussten, was der Tag bringen würde, herrschte jetzt Leben und wir blödelten herum. Maren: <Sagt mal, Sächsisch ist echt witzig, aber ich kapier da was nicht so ganz. Ich meine, ich steig nicht hinter die Logik der Ausspracheregeln! Ihr sagt nicht ´ich´ sondern ´isch´ und ´nischt´ statt ´nicht´. Aber warum sagt ihr ´noch´ und ´doch´, wenn es eigentlich ´nosch´ und ´dosch´ heißen müsste?> Maren lachte. Peter meinte ganz trocken: <Nee, sagen wir nischt.> Ich war ganz durcheinander. ´Nosch´ und ´dosch´... Sie: <Aber logisch wär´s! Oder hat das was mit dem ´o´ zu tun?> Oje, das konnte ja heiter werden. Zwei Sachsen und zwei Schwaben in Bayern. Und wer sprach von einem Deutschland? Ein köstlicher Witz. In unseren Herzen lebte aber noch genügend kindliche Neugierde, um all die sich herauskristallisierenden Unterschiede unter die Lupe zu nehmen, anstatt sie unwissend abzulehnen oder zu verspotten. Und weil alles so neu war, passten wir höllisch auf, das Licht nicht zu sehr zu bündeln, um nur ja nichts unter der Lupe zu verbrennen. Es war ein vorsichtiges Herantasten, ohne den anderen zu verletzen. Es war gut, einfach mal unnötig Quatsch zu reden, Spaß zu haben und einen kleinen Blitz im Alltag zu sehen. Wir kramten Kindheitserinnerungen aus, machten unsere Städte miteinander bekannt und verglichen das Leben. Sie saß mit Maren auf Peters Bett und wir Sachsen lümmelten auf zwei Stühlen. Wir waren nervös und unorganisiert, aber zum Glück hatten wir ein Fläschchen Bier in der Hand. Der Westen hatte sich immer eine Spur überlegen gezeigt, zumindest war das mein Empfinden. Die Leute in meinem Alter sprachen hier fast alle Englisch, trugen coole Klamotten und kannten sämtliche Filme und Schauspieler <made in Hollywood>. Wie sollten wir da mitreden? Englisch lag uns nicht auf der Zunge, und meine paar Brocken Russisch brachten kein Frauenherz zum Schmelzen. Vielleicht hätte es ja mit Italienisch geklappt ... Nach dem Fall der Mauer hatten wir zwar Englisch in den Schulen, aber den Unterricht erteilte in meiner Klasse meine damalige Russischlehrerin, und diese sprach schlechter Englisch als ich. Sie lernte quasi mit uns, und <lernen> und <lehren> sind zwei Paar Stiefel. Wir Versuchskaninchen schluckten brav und kopierten schön ihre falsche Aussprache; hatten also Spaß am neuen Fach . ... So waren wir vier, die wir uns wie zwei Fronten gegenübersaßen, gezwungen, uns wirklich mit uns selbst auseinander zu setzen. Es war eine hochkomplizierte Operation, deren Verlauf und Resultat keiner voraussagen konnte. Expedition Ost- West! Wer seid ihr und als was habt ihr euch maskiert? Oder hat euch der Angstschweiß schon die Farbe vom Gesicht gespült? Es ist Zeit sich zu stellen! Maren spann das Gespräch weiter. ... Ulrike Bucher |