Zeitungsartikel zu Lesungen, Interviews     

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Dienstag, 22. Juli 2008                                                                                   Sindelfinger Zeitung

Deutsch: Die Autorin Ulrike Bucher am Max-Planck-Gymnasium

   <Schreibt Eure Probleme auf>  von unserem Mitarbeiter Günther Hoffmann

Am Max-Planck-Gymnasium besuchen öfters Autorinnen und Autoren den Unterricht, damit diese von ihren Erfahrungen aus der schriftstellerischen Arbeit erzählen. Diesmal konnte Ulrike Bucher gewonnen werden, eine junge deutsche Autorin, die 1976 in Ulm geboren wurde und seit zehn Jahren in Andalusien lebt.

Mit ihrem zweiten Buch versucht sie nun zum ersten Mal in Deutschland in verschiedenen Lesungen ihr Werk vorzustellen. Schüler der Klasse zehn lauschten gespannt den Worten der jungen Autorin, die in ihrer offenen und spontanen Art schnell die Sympathien der Zuhörer gewinnen konnte. Ulrike Bucher las Ausschnitte aus ihrem Roman <Eiserner Turm>, dessen Titel eine Anspielung sowohl auf den Eisernen Vorhang als auch auf das Eiserne Kreuz bedeutet.

In der Handlung geht es um einen Teenager, der sich dreieinhalb Jahre lang in der ostdeutschen rechtsradikalen Szene bewegt, bis ihm nichts anderes übrig bleibt, als in eine westdeutsche Stadt zu fliehen. Diese Erzählung stellt das Thema der Selbstfindung in den Mittelpunkt, ein Prozess, der die jungen Menschen am Max-Planck-Gymnasium offensichtlich interessierte.

Denn in dem anschließenden Gespräch wurden die vielfältigsten Bereiche angesprochen, die ihre Arbeit als Schriftstellerin und ihre Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Biografie betrifft. Hier konnte die Autorin darauf hinweisen, dass sie viele eigene Erfahrungen in ihrem Werk verarbeitet hat, etwa die Situation des Fremdseins. Den Anwesenden empfahl sie, selbst zur Feder zu greifen: <Wenn ihr etwas nicht versteht, so schreibt es auf. Ich habe schon als Kind versucht, meine Probleme aufzuschreiben.>

Am Max-Planck-Gymnasium überlegt man sich, den spannenden Roman als Klassenlektüre anzuschaffen. Die Autorin hat sich bereit erklärt, dann bei einem Workshop mit den Schülern zusammen zu arbeiten. Da sie auch am Otto-Hahn-Gymnasium gelesen hat, steht einer schulübergreifenden Zusammenarbeit nichts im Wege.

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Costa del Sol Nachrichten - Nr. 526, 02. November 2006

          Foto:jk

< Sich selbst eine Chance geben >

Ulrike Bucher veröffentlicht ihren zweiten Roman, in dem sie dazu auffordert, seine Träume zu leben

Jasmin Khalaf - Marbella:

Ein Buch über das Leben zu schreiben, über die Begegnungen im Leben und darüber, wie diese unser Schicksal beeinflussen. Das war der Traum der in Marbella als Übersetzerin arbeitenden Ulrike Bucher, den sie sich mit der Veröffentlichung ihres zweiten Romans <Der Fluss und sein Wasserpuzzle> erfüllte. Darin erzählt die 30-Jährige die Geschichte zweier Teenager, einem Spanier und einer Deutschen, die lediglich zwei Gemeinsamkeiten haben: Beide haben wenige Freunde, werden gehänselt und beide reisen in ein fremdes Land, um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Der Spanier nach England, die Deutsche ans Meer nach Málaga. Im Interview mit der CSN sprach Ulrike Bucher über ihren neuen Roman.

                   Was möchten Sie dem Leser mit Ihrem Buch vermitteln?          

<Der Fluss und sein Wasserpuzzle> soll den Leser vor allem dazu animieren, mutig zu sein und zu seinen Träumen zu stehen, also sich selbst eine Chance zu geben. Durch die Zeilen soll die Nachricht plätschern, dass man seine Wünsche ernst nehmen sollte und dass es sich lohnt, sich etwas Neues zu trauen. Dazu braucht man meistens einen Anstoß. Der kann, wie bei meiner weiblichen Hauptfigur Luna, von außen kommen oder, wie bei meinem männlichen Hauptcharakter Luis, von einem selbst.

                       Und dafür sollte man in ein fremdes Land reisen?                   

Nein. Ich denke zwar, dass es jedem Menschen zu empfehlen ist, neue Gewässer zu testen, und sich von anderen Kulturen bereichern zu lassen. Doch es ist noch viel wichtiger, seine eigene Wahl zu treffen und sich nichts aufzwingen zu lassen, was man eigentlich nicht möchte. Manche träumen vom Ausland, während für andere ein aufgezwungener Traum vom Ausland ein Alptraum wäre.

        Haben Sie bewusst zwei Außenseiter als Protagonisten gewählt?      

Ich denke, wenn man unzufrieden ist, ist es viel offensichtlicher, dass man etwas Neues ausprobieren, seinem Leben eine neue Richtung geben sollte.

                  Woher stammt die Inspiration zu dieser Geschichte?                 

Das Buch ist leicht autobiographisch geschrieben. Genauso wie meine weibliche Hauptfigur Luna, wollte auch ich als Kind immer ans Meer fahren, bin aber nie hingekommen. Auch die männliche Rolle des Luis´ hat Gemeinsamkeiten mit meinem Freund, obwohl ich hier und da andere Eigenschaften hinzufüge.

 Was bedeutet der Titel Ihres Buches <Der Fluss und sein Wasserpuzzle>?

Der Fluss symbolisiert das eigene Leben. Jeder Mensch fließt seinen eigenen Fluss entlang. Zwischendurch lernt er neue Menschen kennen und eine Zeit lang fließen deren Flüsse gemeinsam, bis sie sich irgendwann vielleicht wieder trennen. Das Wasserpuzzle soll das Rätsel des Lebens darstellen. Es zu puzzeln bedeutet, sein Leben zu verstehen.

             Integrierte spanische Ausdrücke wie <Und, compadrewar´s                           schlimm> oder <Ni idea - ich weiß nicht wie es aussieht> sind         nicht selten in Ihrem Buch. Was bezwecken Sie damit?

Ich möchte, dass sich die Leser, vor allem diejenigen, die Spanien nicht kennen, besser hineinversetzen können in die ganze spanische Atmosphäre, die ich in meinem Buch beschreibe. Vielleicht animiert es den einen oder anderen dazu, einmal nach Spanien zu fahren, denn ich denke, dass Spanien auf jeden Fall einen Besuch wert ist.

          Überhaupt dringt durch Ihr Buch eine Liebe zur Costa del Sol.          

Ich finde, dass ganz Andalusien einen gewissen Zauber versprüht. Hier kann man einfach richtig leben, die Rollläden werden nicht schon um zehn Uhr zugemacht. Zusätzlich haben es mir die Leute hier auch ganz leicht gemacht, mich zu integrieren. Marbella ist aber im Gegensatz zu Málaga viel künstlicher.

      Wie lange haben Sie gebraucht, um Ihr zweites Buch zu schreiben?   

Acht Monate. Es war zwar nicht viel Recherchearbeit mit dem Buch verbunden, aber ich konnte immer nur nebenbei schreiben.

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Auszug CSN Nachrichten - Nr. 460, 28.Juli 2005, Dirk Nordhoff, Marbella

Albert Einstein, der wohl berühmteste aller Ulmer, hat einmal bemerkt: <Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.> Ulrike Bucher, die ebenfalls in Ulm geboren wurde, hat sich die Worte des Nobelpreisträgers zu Herzen genommen. Die 29-Jährige veröffentlichte kürzlich ihr erstes Buch. Titel <EISERNER TURM - Von Ost nach West>.

Auf 96 Seiten erzählt die Autorin die Geschichte eines Teenagers, der in seiner Schulzeit in die rechtsradikale Szene der neuen Bundesländer abrutscht. Zunächst findet der jugendliche Mitläufer dort Bestätigung und Orientierung, doch als einer seiner Faschisten-Freunde sich von ihm verraten fühlt, setzen die Neonazis ein Kopfgeld auf ihn aus. Der Ostdeutsche flüchtet sich in den Westen, wo er ein Mädchen kennen lernt, das ihm hilft, sich von seiner Vergangenheit zu lösen und eine neue Perspektive zu finden.

Gegen die Engstirnigkeit

<Die wichtigste Nachricht meines Buchs ist wohl, dass wir aufpassen müssen, unsere Züge nicht zu sehr von außen bestimmen zu lassen>, sagt die Autorin. <Eiserner Turm> sei ein Plädoyer für Selbstbestimmung und Individualität und gegen Vorverurteilung und Engstirnigkeit. Der Titel ist zum einen eine Anspielung auf das <Eiserne Kreuz>, das als Symbol in der Neonazi-Szene eine bedeutende Rolle spielt, und andererseits ein Bild für die Schachfigur, die ganz außen auf dem Brett steht und darauf wartet, durch ihre schwarzweiße Welt bewegt zu werden.

Zwischen der eher einfachen Sprache der jugendlichen Figuren - zum Beispiel: <Haste Kippen? Nee, sind alle!> - mischt Ulrike Bucher immer wieder poetische Passagen, wie etwa: <Wer den Sprung ins kalte Wasser nicht wagt, verpasst die Unterwasserwelt. Und glaub mir, ich weiß, dass unter Wasser nicht nur blaue Rosen tanzen.> Den Lesern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, darunter auch einer 70-Jährigen, gefiel die Mischung. Sie rieten ihr zur Veröffentlichung.                                                                                                          _______________________________________________________________________